Im Interview: Markus Rothkranz

Sicher kennen ihn viele von euch schon & vielleicht hat ihn die eine oder andere auch kürzlich live hier in Deutschland erlebt, z. B. bei seinem Vortrag in Hamburg im Oktober.

Markus Rothkranz hat nach jahrelanger Krankheit in den letzten 20 Jahren auf seinem Weg über erst vegetarische, dann vegane Ernährung bis zur Rohkost einen erstaunlichen Prozess durchlaufen & sieht heute, mit Ende 40, besser, jünger, gesünder aus als in seinen Zwanzigern.

Der ehemalige Hollywood-Filmproduzent beschäftigt sich heute damit, weltweit Menschen zu mehr Rohkost, Natur & Liebe zu inspirieren. Seine Botschaft: „Heile deine Welt & du heilst die ganze Welt!„. Vor kurzem ist sein Buch Heile dich selbst: Die Markus-Rothkranz-Methode – Wie Menschen auf der ganzen Welt sich von Krankheiten befreien – eigenständig,dauerhaft und beinahe gratis erschienen.

Für den ersten Teil der roh-macht-froh-Interviewserie hat Markus mir einige Fragen zu seiner Ernährung beantwortet – Fazit daraus: Hab Spaß, folge deinen Gefühlen & finde deinen eigenen Weg:

Im Wandel

Auf meiner nunmehr schon 4,5 Jahre währenden Rohkostreise hat sich die Zusammensetzung meine Ernährung kontinuierlich gewandelt. Ein Teil dieses Wandels ist gewiss dem Experimentieren und Optimieren zuzuschreiben. Da sich mein Bedarf aber je nach Jahreszeit & sonstigen Umständen immer wieder wandelt, wird sich wohl auch mein Speiseplan weiterhin entwickeln.

Zur Verdeutlichung beschreibe ich mal ein wenig die Entwicklungen der letzten Monate: Am Anfang des Jahres, im Frühling, habe ich fast nur Früchte & Grünzeug gegessen. Gemüse nur sehr selten, Kerne & Nüsse so gut wie gar nicht. Low fat. Fast alle Mahlzeiten waren süß. Im Frühsommer habe ich (mal wieder) angefangen, mit Sprossen & Keimen zu experimentieren und habe Samenmilch & Samenkäse in meinen Speiseplan aufgenommen. Biogene Nahrung. Außerdem bin ich dazu übergegangen, mittags öfter nicht-süß zu essen. Saisonbedingt & passend zur warmen Temperatur gab es dabei meist Gemüsefrüchte, Avocado & natürlich Wildkräuter. Um mein zu dieser Zeit auftauchendes Bedürfnis nach mehr Erdung zu befriedigen, habe ich mehr schwerere (fettreichere) Nahrungsmittel zu mir genommen. D. h., mehr Avocados, mehr Samen/Kerne. Sprossen von Hülsenfrüchten sind nach recht kurzer Zeit wieder von der Speisekarte verschwunden; biogene Zubereitungen haben sich etwas länger gehalten, kommen aber inzwischen wieder nur noch selten auf den Tisch. Meine Erfahrungen damit haben aber dazu geführt, dass ich jetzt, wenn ich etwas mit Kernen/Nüssen zubereite, diese möglichst vorher einweiche. Mit den wieder sinkenden Temperaturen verschwanden Gurken, Tomaten, Melonen und wurden ersetzt durch Gemüse.

Die unveränderte Basis meiner Ernährung sind seit Beginn der Reise Früchte & Grün, in möglichst großer Vielfalt. Immer reif, immer frisch, möglichst bio bzw unbehandelt, soviele Wildpflanzen wie möglich. Weitere Bestandteile meiner Ernährung, mal mehr, mal weniger, sind: Gemüse, Kerne/Samen, Nüsse, Sprossen. Was sich auch nicht verändert: Am besten fühle ich mich mit überwiegender Urkost – das heisst für mich, die Sachen so zu essen, wie sie sind, ohne Zubereiten, Mischen usw. & nicht zuviel Durcheinander. Wenn ich etwas zubereite, dann meist einfache Dipps, Patés oder Samenkäse. Oder auch mal Getränke oder Kugeln als eine leckerere Art, z. B. Sesam oder Lein zu essen. Meine Zubereitungen bestehen immer aus möglichst wenigen unterschiedlichen Zutaten.

Momentan sieht meine Ernährung so aus, dass ich morgens Früchte esse (mono, z. B. Papaya, Ananas, Apfel, Kiwis). Dann am späteren Vormittag einen kleinen Früchte-Imbiss, was halt grad so da ist. Jetzt dürfen es auch schon schwerere Früchte sein, Banane, ein paar Datteln oder ein Stück Kokosnuss. Und eine Handvoll Grün dazu. Mittags gibt es meist Gemüse & Grünzeug mit Oliven, Avocado, Kernen, Nüssen oder einem Dipp. Meist bin ich danach für den Rest des Tages satt & nasche gegen Abend nur noch etwas (z. B. 1-2 Datteln mit Ingwer oder ein paar Stückchen von dem, was ich meiner Tochter zubereite.) Wenn ich doch noch Hunger habe, gibt es nochmal Früchte. Mit Grün natürlich 😉

Da ich sehr gern esse … es schmeckt einfach alles so köstlich! … neige ich dazu, abends trotzdem, auch ohne Hunger, zu essen. Fühlt sich aber nicht wirklich gut an & drum lasse ich es immer öfter sein. Was sich über die Jahre nur in eine Richtung verändert hat, ist die Menge, die ich esse. Mit zunehmender Reinheit scheint mein Körper immer weniger zu brauchen um satt zu werden.

Roh bleiben – Tipps & Unterstützung

Kochkost macht süchtig. Wer sich mehr oder weniger lange von gekochtem & verarbeitetem Essen ernährt hat, kann oftmals nicht einfach so damit aufhören. Das anhaltende Verlangen nach Gekochtem, selbst wenn deutliche Einbußen des Wohlbefindens dadurch erlebt werden, hat viele Gründe.

Neben verbreiteten körperlichen Abhängigkeiten (besonders häufig nach Getreide, Salz, Zucker) gibt es das manchmal nach langer Zeit plötzlich aufflackernde Verlangen nach längst vergessenen „Genüssen“, welches häufig die Entgiftung des Körpers von genau diesen Lebensmitteln kennzeichnet. In diesen Fällen lohnt es sich wirklich, standhaft zu bleiben & sich eine kurze Zeit zu disziplinieren; dann gehört dieses spezielle Verlangen recht bald der Vergangenheit an.

Schwieriger sind die psychischen Abhängigkeiten & Verwicklungen.

Gründe, nicht 100% roh zu essen?

Nicht dass ihr mich falsch versteht: ich bin unverändert von meiner (tatsächlich 100%ig rohen) Ernährung überzeugt, liebe & genieße sie & will gewiss nichts daran ändern!

Nachdem ich aber gerade über ein Video von Ka Sundance (selbst mitsamt seiner Familie nach eigener Aussage ebenfalls 100%iger Rohköstler) gestolpert bin, in dem er drei Gründe gegen eine 100%ige Rohkosternährung nennt, habe ich mich mit seinen Argumenten auseinandergesetzt. & möchte euch meine Gedanken dazu nicht vorenthalten:

Als ersten Grund nennt er Zweifel, fehlende Überzeugung an der Rohkost als die richtige Ernährung. Nun ja, dazu ist eigentlich nicht viel zu sagen, oder? Sicher sollte sich jedeR bewusst ernähren & zwar so, wie es ihr/ihm richtig erscheint. Wer sich bei jedem Bissen fragt, ob dieser ihm gut tun wird, hat gewiss nicht viel von seiner Nahrung – weder im Hinblick auf die Nährstoffe noch hinsichtlich der Zufriedenheit & des Wohlbefindens.

Als zweiten Grund führt er das Leben in kaltem Klima (wie z. B. Nordeuropa, Nordamerika) an. Sonnengereifte, vorzugsweise tropische Früchte betrachtet er als unentbehrlichen Bestandteil der menschlichen Ernährung. Darüberhinaus sind in unseren Breitengraden gerade im Winter seiner Meinung nach so kompakte Nahrungsmittel wie Oliven, Nüsse, evtl. Algen für eine ausgewogene Ernährung notwendig. Beides ist mit relativ hohem finanziellen Aufwand verbunden. Eine ausgewogene Ernährung nur mit dem Angebot der lokalen Händler & Supermärkte hält er auf die Dauer für nicht möglich & empfiehlt, in solchen Fällen dann lieber andere, nicht-rohe, Komponenten in die Ernährung aufzunehmen.

Dem ersten Teil dieser Meinung schliesse ich mich an: langfristig ist hochqualitative Nahrung nötig, um uns gesund und leistungsfähig zu erhalten. Auch ich bevorzuge die früchtebetonte Rohkost & den größten Teil des Jahres halte ich das Früchteangebot hierzulande ebenfalls für nicht ausreichend – die Sonne, die auch uns hier fehlt, fehlt eben auch den angebotenen Früchten. Ob es nun aber hilft, gekocht zu essen, wenn das Geld fehlt, um tropische Früchte per Flugzeug zu importieren & hochwertige, rohe Nüsse etc zu kaufen?

Besser als die Ausgangsprodukte wird das Essen durch’s Kochen ja nun gewiss nicht – der Vitalstoffgehalt nimmt noch weiter ab, Sonnenenergie gelangt dadurch auch nicht hinein – stattdessen werden Enzyme zerstört & für den Körper schädliche Stoffe gebildet. Lediglich beim Wärmen des Körpers kann Kochkost natürlich helfen. Dies lässt sich aber auch auf anderen Wegen erreichen – viel Bewegung, so oft wie möglich auch bei kaltem Wetter draußen. Und die Anpassung der Nahrungszusammenstellung an die Temperaturen: Trauben & Datteln tun jetzt besser als Melone. Wurzeln, Kohl, Lauch und wärmende Gewürze wie Ingwer halten uns auch in der kalten Jahreszeit warm.

Wie Ka glaube auch ich, dass wir nicht für ein Leben in diesem Klima gemacht sind, sondern sowohl der Temperaturen und der Sonne als auch der Nahrungsmittel wegen in die tropischen und subtropischen Zonen der Erde gehören. Solange wir hier in den gemäßigten Zonen leben, müssen wir uns zwar damit arrangieren – aber dass das Kochen unsere Nährstoffversorgung verbessern könnte – das sehe ich absolut nicht.

Anders hingegen beim dritten genannten Grund. Hier stimme ich absolut mit Ka überein: Dieser Grund betrifft das soziale Umfeld. Genauer gesagt, das seelische Wohlbefinden, bedingt durch die Menschen, mit denen wir zusammenleben & die uns möglicherweise unserer Ernährung wegen kritisieren oder verurteilen. Versteht mich richtig: es geht nicht darum, wie die anderen sich verhalten – eine rohköstliche Ernährung ist auch absolut möglich ohne die Unterstützung unseres Umfelds. Solange wir selbst damit glücklich & zufrieden sind. Es geht um uns, um unsere Gefühle mit der Situation. Wenn wir durch mangelnde Unterstützung oder gar Angriffe unserer Familie & Freunde unserer Ernährung wegen beeinträchtigt oder unglücklich werden, relativiert das die positiven gesundheitlichen Auswirkungen der Rohkost natürlich. Ebenso, wenn wir uns ständig quälen, um dem Verlangen nach gekochtem Essen in unserer Umgebung zu widerstehen. Sind wir glücklich damit, gelegentlich mit unseren Lieben gemeinsam gekocht zu essen, ab und zu gekochtes Essen zu genießen (ganz bewusst, ohne uns selbst anschließend zu verurteilen deswegen), geht es uns insgesamt vielleicht besser damit als mit einer um jeden Preis 100%igen Rohkost.

Was meint ihr dazu?

Ka’s besagtes Video findet ihr übrigens hier.

Kalorienbedarf 27 Bananen?

Zur richtigen Art der Rohkost gibt es, wen wundert’s, so viele Meinungen wie es RohköstlerInnen gibt. Einige unter ihnen messen auch dem in Kalorien gemessenen Energiegehalt eine hohe Bedeutung zu. So z. B. Frederic Patenaud, der eine früchtebetonte, fettarme Rohkost mit ausreichend grünen Blättern empfiehlt. (Soweit bin ich noch seiner Meinung.) Er geht weiterhin von dem üblicherweise angesetzten Energiebedarf (für Frauen im Durchschnitt etwa 2.200 kcal/Tag) aus, der auch bei einer rohköstlichen Ernährung gedeckt werden müsse. Was bei der vom ihm bevorzugten Nahrungszusammenstellung ziemlich große Mengen von Früchten bedeutet. Er veranschaulicht das in einem kurzen Video: Eine Banane hat, je nach Größe, etwa 80-100 Kalorien. Ein mittelgroßer Apfel 50-75. Bio-Bananen sind kleiner als die konventionell produzierten, also gehen wir mal von 80 aus. Um meinen Kalorienbedarf zu decken, müsste ich also pro Tag ca. 27 Bananen essen. Bzw. die entsprechende Menge anderer Früchte. Uff. Kommt mir ziemlich viel vor!

Natürlich braucht unser Körper ausreichend Energie durch die Nahrung, & gewiss ist es auch besser, diese aus Früchten, grünen Blättern & Gemüsen zu beziehen als aus großen Mengen von Fettfrüchten, insbesondere Nüssen. Aber meinen Magen derart zu überfüllen – zu einem 800-Kalorien-Frühstück, wie Frederic es beschreibt, müsste ich 10 Bananen essen! – kommt mir auch nicht wirklich gesund vor.

Nun gibt es ja zum notwendigen Energiegehalt unserer Nahrung auch andere Sichtweisen: Nach den Forschungsergebnissen der russischen Ärztin Dr. Galina Schatalova beispielsweise brauchen wir bei weitem geringere Mengen an Kalorien, um fit, gesund & leistungsfähig zu bleiben. In ihrem faszinierenden Buch „Wir fressen uns zu Tode“ beschreibt sie ausführlich, dass selbst bei hohen körperlichen Anforderungen eine Energiezufuhr von 300-400 Kalorien/Tag ausreichend ist.

Unter ganz anderem Blickwinkel betrachtet Gabriel Cousens die Ernährung. Über sein ganz anderes Ernährungsparadigma habe ich hier schon einmal ausführlich geschrieben.

Ich kümmere mich bei meinem Essen nicht um die Kalorien – wenn ich Hunger habe, esse ich; wenn ich satt bin, höre ich auf. Wichtig & ggfs berücksichtigenswert erscheint mir allenfalls der Nährstoffgehalt meiner Nahrung – also die ausreichende Zufuhr aller benötigten Vitamine & Mineralstoffe. Wobei ich auch die nicht messe, sondern einfach auf eine möglichst große Vielfalt bei unserer Nahrung achte & ansonsten ebenfalls auf die Signale meines Körpers achte – mein Appetit verrät mir schon, was ich brauche!

Unter dem Aspekt des Vitalstoffgehaltes sticht beim Vergleich einer rohköstlichen Ernährungsweise mit Kochkost ins Auge, um wieviel besser der Körper damit durch rohe Nahrung versorgt wird. Ausreichend versorgt ist unser Körper dann, wenn er genug Vitalstoffe bekommen hat. Solange es ihm daran mangelt, verlangt er nach mehr & noch mehr Nahrung, ohne jemals richtig satt zu werden. Möglicherweise braucht ein mit Kochkost ernährter Körper ja 2200 Kalorien, um annähernd genug Nährstoffe zu bekommen. Wohingegen ein rohköstlich ernährter, weitgehend von Giften gereinigter Körper seinen Nährstoffbedarf bereits durch viel geringere Mengen decken kann. Dafür spricht die Beobachtung vieler langjähriger Rohköstler über ihren im Laufe der Jahre geringer werdenden Nahrungsbedarf.

Rohkost-Kindern geht es gut!

Davon durfte sich vor ein paar Tagen auch das hiesige Jugendamt überzeugen. Warum es sich dafür interessiert hat, könnt ihr hier nachlesen. Nach einer gewissen anfänglichen Skepsis („Rohkost – was ist das eigentlich? Was essen Sie denn da überhaupt?“) haben meine strahlend gesunde Tochter sowie meine Beschreibung unserer Ernährung sie überzeugt, dass hier alle wohlauf sind!

Bleibt höchstens noch zu hoffen, dass sich auch um die vielen konventionell ernährten & dadurch kranken Kinder hierzulande so gesorgt wird …

Die alten Fotos meiner vor 5 Jahren noch unter schwerer Neurodermitis leidenden Tochter haben es mir jedenfalls mal wieder bewusst gemacht: wie dankbar ich bin, dass wir diesen Weg gefunden haben!

Früchtegenuss

Bei den Papayas neulich habe ich es schon erwähnt: von den meisten Früchten kann viel mehr gegessen werden als gemeinhin bekannt. Das ist mir so richtig bewusst geworden, als mich die Inhaberin eines kleinen Bioladens vor einiger Zeit fragte, ob ich denn die frischen Feigen komplett essen würde – sie hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt immer geschält … ! Was bei giftgespritzten Früchten (wenn sie sich denn nicht vermeiden lassen) sicher sinnvoll ist – aber unbehandelte & aus Bioanbau stammende können & sollten doch besser vollständig gegessen werden. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Nicht umsonst „liefert“ die Natur uns die Früchte ja mit Schale & Kernen (& Blättern). In einigen Fällen dient die Schale zwar tatsächlich nur dem Schutz des darin enthaltenen (wie z. B. bei Bananen, Kokosnüssen oder Durianen) & die Kerne sollen durch Verzehr & spätere Ausscheidung vielleicht nur für die weitere Verbreitung des Baumes sorgen. Häufig stecken in Schale & Kernen jedoch viele Nährstoffe, die zur optimalen Verwertung nötig sind.
  • Eine mit Schale & Kernen genossene Papaya schmeckt nicht nur besser sondern macht auch besser & nachhaltiger satt.

Die Kerne der Papaya schmecken scharf-würzig & ergänzen damit das sehr süße Fruchtfleisch optimal. Sie lassen sich übrigens auch trocknen & können dann, zermörsert oder durch eine Pfeffermühle gedreht, als Gewürz verwendet werden. In den Kernen ist Papain enthalten, welches bei der Eiweißaufspaltung im Darm hilft & so darmreinigend & gegen Würmer wirkt. Die Schale kann ebenfalls entweder einfach mit der Frucht zusammen verzehrt werden oder als Salatzutat verwendet werden. Mehr über die wertvollen Inhaltsstoffen der Papaya gibt es hier zu lesen.

Im Folgenden eine Liste von „mitessbaren“ Bestandteilen verschiedener Früchte – ohne Anspruch auf Vollständigkeit & immer unter der Voraussetzung, dass die Früchte bio bzw unbehandelt sind:

  • Bei Äpfeln & Birnen essen sicher die meisten eh ganz selbstverständlich die Schale mit; auch das Kerngehäuse mit den Kernen kann mitgegessen werden.
  • Wirklich reife Kiwis können ebenfalls mit Schale gegessen werden – die ist dann ganz dünn & weich, gar nicht mehr unangenehm haarig. Ebenfalls essbar ist die Schale sonnengereifter Mangos (bei Flugware oder bei den im Sommer erhältlichen pakistanischen Honigmangos). Schmeckt ein bisschen herb, aber in Kombination mit der ganzen Frucht doch ganz lecker.
  • Schwer zu glauben, aber wahr: auch bei sonnengereiften Ananas kann die Schale mitgegessen werden. Empfiehlt sich aber wirklich nur für reif geerntete Früchte. Bitte vorsichtig versuchen & auf eventuelles Brennen auf der Zunge achten – bei Ananas ein deutliches Zeichen des Körpers, dass er genug hat!
  • Melonen: bei Wassermelonen esse ich die Schale & die Kerne schon seit Jahren mit – in der Schale & dicht darunter stecken eine Menge Mineralstoffe, die die optimale Verdauung & Assimilation des Fruchtfleisches & natürlich auch die Sättigung fördern. Bei den diversen anderen Melonensorten – Galia, Cantaloupe, Honigmelonen… – kann die Schale auch gegessen werden. Wobei manche Melonen ja erst dann so richtig gut schmecken, wenn die Schale schon braune Flecken bekommt … bei denen mag ich sie dann nicht mehr so & esse sie nicht mit.
  • Bei Rambutan hat mich die Schale noch nicht dazu verlockt, sie zu probieren. Dafür esse ich diese Früchte immer mit Kern – er schmeckt leicht nussig, echt lecker.
  • Durian – nein, keine Angst, auch diese Schale möchte ich euch nicht empfehlen (schade eigentlich, wo sie doch so viel davon hat … ). Aber auch hier schmecken die Kerne der frischen Frucht köstlich nussig.
  • Aprikosenkerne sind ebenfalls essbar & wohlschmeckend; ähnlich wie Mandeln. Es erfordert allerdings etwas Extra-Aufwand, an sie heranzukommen, denn nur der innere Teil des Kerns ist essbar. Die äußere Schale muss, ebenfalls wie bei Mandeln, erst geknackt werden.
  • Avocados können auch mit Schale verzehrt werden.
  • Kirschen & Pflaumen esse ich ohne Kerne, dafür nach Möglichkeit mit den frischen Baumblättern dazu. Das gilt übrigens für alle hiesigen Obstbäume – probiert einfach mal!
  • Gemüse werden bei uns eh kaum geschält: Gurke, Süßkartoffel, Benkoang, roter Bete … essen wir komplett.

Verkehrte Welt

Vor wenigen Tagen erreichte mich ein Brief, über dessen Inhalt ich zunächst laut lachen musste, der mich beim weiteren Darüber-Nachdenken aber doch eher entsetzte. Das Jugendamt hat dank der Anzeige einer „besorgten“ Mitbürgerin von meiner Ernährungsweise erfahren & macht sich nun Sorgen um die Gesundheit meiner Kinder. Man hätte ja von so vielen Fällen psychischer & physischer Schäden bei rohköstlich ernährten Kindern gehört … Hallo?!? Ich kenne die erschreckende Zunahme von Fettleibigkeit & Diabetes im Jugendalter; auch Osteoporose, Rheuma u. ä. treten immer öfter schon bei Kindern & Jugendlichen auf, von Neurodermitis, Asthma, Allergien ganz zu schweigen. Alles ernährungsbedingt!

Eigentlich sollte das Jugendamt doch wohl eher Mitarbeiter bei MacDonald’s & Aldi postieren & alle dort auftauchenden Eltern zum Gespräch vorladen. Aber darüber will ja keiner reden. Wo sollte das auch hinführen? Müssten doch dann auch die Beamten selbst womöglich ihr eigenes Essverhalten hinterfragen. Die gesamte Lebensmittelindustrie würde zusammenbrechen, müssten sich Eltern dafür verantworten, ihre Kinder mit Weissmehl, Zucker, Konservierungs- & Zusatzstoffen usw. zu „ernähren“.

Nun ja, ich schätze, diese Argumentation bietet sich im Interesse einer schnellen friedlichen Lösung nicht wirklich an ;). Ich werde mich einfach dort vorstellen & sowohl meine als auch die Gesundheit meiner gut entwickelten, energiegeladenen Kinder demonstrieren. Und mein Staunen über die verkehrte Welt, in der wir leben, für mich behalten.

Knochen & Zähne

Ein neuer Beitrag aus der Reihe „Und woher bekommst du dein ….?“ – heute: Kalzium (auch Calcium).

Bekannt aus der Werbung ist die Behauptung, wir bräuchten Milchprodukte für unsere Kalziumversorgung. Eine doppelt falsche Behauptung übrigens: nicht nur, dass wir uns problemlos mit rein pflanzlicher Nahrung ausreichend mit Kalzium versorgen können. Im Gegenteil begünstigt eine Ernährung mit tierischem Eiweiß die Kalziumausscheidung & führt daher viel eher zu einem Kalziummangel, welcher bei einer rein pflanzlichen Ernährung selten bis gar nicht auftritt.

Schon die Tatsache, dass in Kuhmilch Kalzium vorhanden ist, ohne dass die Kühe selbst Milch trinken, zeigt, dass sie es offensichtlich aus ihrer Nahrung = Grünzeug! aufnehmen. Besonders viel Kalzium ist enthalten in Mohn, Sesam, Brennesseln, Grünkohl, Feigen, Mandeln, Haselnüssen. Weitere kalziumhaltige Lebensmittel findet ihr hier im rohkost.de-Blog.

Wichtig ist Kalzium vor allem für die Festigkeit von Knochen und Zähnen. Eine vor allem bei älteren Menschen auftretende Folge von Kalziummangel ist Osteoporose = Knochenentkalkung, bei der die Knochen schwach & leicht zerbrechlich werden. Der Hauptgrund dafür ist eine säurereiche Ernährung mit einem hohen Anteil an Eiweiß (tierisches oder pflanzliches) und Stärke. Die dabei entstehenden Säuren müssen vom Körper neutralisiert werden. Dafür braucht er basische Mineralien: Kalzium, Magnesium, Natrium und Kalium. Die er sich, wenn sie nicht ausreichend über die Nahrung zugeführt werden, aus den Knochen & Zähnen holt & die dann über die Nieren ausgeschieden werden. Die beste Prävention: eine ausreichende Versorgung mit basischen Mineralien, also auch Kalzium, aus basisch verstoffwechselter Nahrung wie rohe Früchte & Gemüse sowie regelmässige Bewegung!

Solange ihr also einfach eure gute Urkost mit vielen Früchten & Grünzeug geniesst, seit ihr auf der sicheren Seite! Kein Grund, spezielle Nahrungsmittel im Hinblick auf einzelne ihrer Inhaltsstoffe auszuwählen.

Rohkost – Lektion 1

Weil es immer wieder nachgefragt wird, heute noch mal die Basics. Für Neueinsteiger, Skeptiker & Interessierte.

Wann immer ich meine Ernährung erwähne, sind die meisten Menschen zwar sehr interessiert an dem, was ich erzähle. An der Rohkost an sich, an Rezepten. Aber die meisten verstehen nicht wirklich, was das soll. Den Grund für eine rohköstliche Ernährung, die Vorzüge, und was diesen Ernährungsstil eigentlich ausmacht. Was kann ich als Rohköstler denn überhaupt essen? Brauche ich dafür eine neue Küchenausstattung? Also auf ein Neues – hoffentlich beantwortet das folgende die grundlegenden Fragen.

Rohkost – was ist das?

Eine rohköstliche Ernährung (auch Vitalkost oder – je nach Umsetzung – Urkost genannt) setzt sich zusammen aus Früchten, Gemüsen, Samen/Nüssen und grünem Blattgemüse/Wildkräutern. Auch Sprossen & Algen gehören dazu. Alle diese Nahrungsmittel werden roh verzehrt, d. h., nicht über 43° C erhitzt.
Nahrung, die über 43° C erhitzt wird, verliert ihre Enzyme & Nährstoffe. Gekochte Nahrungsmittel führen im Körper zu denselben Symptomen wie entzündliche Prozesse (Leukozytose = Vermehrung der weißen Blutkörperchen). Manche gekochten (sogenannten) Lebensmittel haben sogar eine direkt schädliche Wirkung auf den Körper, wie z. B. Karzinogene, die beim Garen von Fleisch entstehen, oder raffinierter Zucker, der zu Diabetes führen kann. Verarbeitete Lebensmittel mit zugesetzten Chemikalien, künstlichen Geschmacksstoffen, Konservierungsmitteln usw. sind Gift für den Körper und haben in der menschlichen Ernährung nichts zu suchen. Rohe, ungekochte Nahrung hingegen liefert jede Menge wertvoller Enzyme, Vitamine & Mineralien. Praktischerweise werden all die gefährlichen Zusatzstoffe bei einer Rohkost-Ernährung automatisch vermieden.
Rohkost essen bedeutet aber nicht, nie wieder etwas zum Essen im normalen Laden kaufen zu können. Manche abgepackten Produkte lassen sich durchaus auch in der Rohkost-Küche verwenden. Solange sie eben nicht über 43° C erhitzt worden sind. Zwar sind sie definitiv nicht notwendig für eine ausgewogene Ernährung und sollten mMn langfristig auch höchstens einen kleinen Teil der Nahrung ausmachen, aber möglich ist z. B. die Verwendung kaltgepresster Öle, bei niedrigen Temperaturen getrockneter Nüsse, Samen und Trockenfrüchte und fermentierter Nahrungsmittel wie Miso oder Sauerkraut. Auch roher Essig, roher Agavensirup, rohe Soya-Sauce und natürlich die diversen, in immer mehr Naturkostläden erhältlichen Riegel, Schokoladen & Cracker in Rohkostqualität können bei einer rohköstlichen Ernährung verzehrt werden.
Der letzte Satz verrät es schon – Rohkost essen bedeutet keineswegs, ständig nur Salat zu mampfen oder an Möhren & Äpfeln zu knabbern. Die Fülle an Früchten, Grünpflanzen, Gemüsen & Nüssen/Kernen ist so groß, das schon allein damit gewiss nicht so schnell Langeweile aufkommt. Außerdem können aus rohen Zutaten auch ohne Erhitzen alle möglichen Gerichte zubereitet werden. Rohkosttorten, Rohbrote, rohe Pizza, Lasagne usw. – praktisch jede bekannte Gericht kann statt in seiner gekochten Variante auch roh hergestellt werden. Rezepte dafür gibt es in Büchern, im Internet & auch in den bei mir erhältlichen eBooks.

Positive Auswirkungen der Rohkosternährung

  • Gesteigerte Energie
  • Ein besseres Hauterscheinungsbild
  • Bessere Verdauung
  • Gewichtsabnahme bei Übergewicht
  • Geringeres Risiko von Herzkrankheiten, Diabetes und Krebs (und aller weiteren Zivilisationskrankheiten)
  • Heilung von Neurodermitis, Allergien, Asthma, Rheuma/Arthritis, Migräne …

Um nur einige zu nennen.

Enzyme, Vitamine, Mineralien

Dass beim Kochen von Nahrungsmitteln Vitamine & andere Nährstoffe reduziert oder gar zerstört werden, hat sich wohl mittlerweile überall herumgesprochen – in den offiziellen Ernährungsempfehlungen steigt der Anteil an veganer Rohkost kontinuierlich. In Deutschland wird der Verzehr von mindestens 5 Portionen rohem Obst/Gemüse pro Tag empfohlen, in den USA sogar 9. Während Vitamine & Mineralstoffe den meisten Menschen mittlerweile ein Begriff sind, ist das Wissen um die Bedeutung der Enzyme noch nicht so verbreitet. Enzyme helfen uns bei der Verdauung; sie zerlegen Fette & Proteine, so dass unser Körper sie gut assimilieren kann. Bei optimaler Verdauung & Assimilation kann der Körper sich schneller von Belastungen erholen & hat mehr Energie für seine anderen Aufgaben wie Zellreparatur, mentale und körperliche Bewegung, Immunfunktionen. Daher die oft beschriebene überwältigende Energie bei Rohköstlern sowie das schnelle Verschwinden verbreiteter Missbefindlichkeiten wie Akne, häufige Erkältungen etc.

Was für Geräte werden in der Rohkostküche benötigt?

Für eine Rohkost-Ernährung ist keinerlei Anschaffung von neuen Küchengeräten notwendig! Es gibt aber einige Geräte, die für die Zubereitung von rohköstlichen Gerichten sehr hilfreich sind:

  • Ein guter Blender! Das einzige Gerät, das bei uns wirklich sehr häufig benutzt wird & das ich nicht missen möchte, ist mein Personal Blender. Der mixt & mahlt alles, was uns so einfällt, in absolut zufriedenstellender Qualität. Auch die Größe ist für unseren kleinen Haushalt optimal.
  • Größer & deutlich leistungsfähiger ist der Vitamix – ein Profimixer mit den diversen Funktionen einer Küchenmaschine.
  • Ein Lebensmitteltrockner kann zum Dörren von Früchten und Gemüsen, aber auch zur Herstellung von Rohbroten, Crackern usw eingesetzt werden. Bei geeignetem Klima lässt sich natürlich auch alles an der Luft/in der Sonne trocknen, oder bei entsprechend niedriger Temperatureinstellung im Umluft-Ofen, aber wer viel trocknet, für den lohnt sich sicher die Anschaffung eines Trockners oder Dörrgeräts.
  • Wer gern & viel Säfte trinkt, sollte sich einen guten Entsafter leisten. D. h., besser keinen Zentrifugen-Entsafter, in dem durch die hohe Umdrehungsgeschwindigkeit & die damit einhergehende Sauerstoffeinwirbelung -> Oxidation die empfindlichen Vitalstoffe aus den entsafteten Früchten & Gemüsen geschädigt werden. Empfehlenswerter ist die Anschaffung einer Saftpresse, wie z. B. GreenStar, Champion oder SoloStar.
  • Zum Keimen von Kernen oder Getreide gibt es Sprossengläser, Sprossenbeutel und Keimgeräte – was davon verwendet wird, ist wohl in erster Linie Geschmackssache. Sprossenbeutel sollen auch für die Herstellung von Samen- oder Nusskäse eingesetzt werden können.

Soweit für heute … Sollten beim Lesen weitere Fragen aufgetaucht sein – einfach fragen! 🙂