Rohkost-Kinder in „gemischter“ Familie – so geht das

[Dieser Artikel enthält evtl. Werbung in Form von Produktnennung und Affiliatelinks]

Interview mit Sonja Watt

Die schon seit vielen Jahren roh & naturbewusst lebende Mutter von zwei Kindern dürfte ebenfalls vielen von euch bekannt sein. U. a. durch die von ihr mehrmals im Jahr veranstalteten Rohkostcamps. Über ihre Rohkostreise & wie Rohkost auch für Kinder in einer Rohkost-Mama-Kochkost-Papa-Familie funktionieren kann, erzählt Sonja hier:

Silke: Wie genau ernährst du dich zur Zeit: kannst du beschreiben, woraus sich
deine Ernährung zusammensetzt & wie du isst: zubereitet, Urkost, gemischt, mono…

Sonja: Ich mache mir morgens einen grünen Smoothie mit Wildgrün (z.Zt. Brennesseln, Moos, Brombeerblättern und Äpfeln), mittags oft einen Salat mit Buchweizensoße und abends je nach Laune entweder Gemüse oder einen Shake…oder was gerade noch da ist. Ich bereite zwar zu, aber so einfach wie möglich. Komplizierte Rezepte sind nichts für mich…und auch schwer verdaulich ;). Aber ich esse auch Obst, Gemüse, Nüsse, etc. so. 🙂 Ich stecke mich selbst nicht in eine Kategorie. Ich esse einfach, was schmeckt – roh eben ;).

Silke: Isst du ausschliesslich roh?

Sonja: Ja.

Silke: Welche Rolle spielen Wildkräuter oder andere Wildpflanzen in deiner
Ernährung?

Sonja: Eine wichtige. Ich könnte mir das ohne meine grünen Smoothies nicht mehr vorstellen… Ich esse Wildkräuter auch draussen von der Hand in den Mund – aber als Smoothie mag ich sie besonders gern. Aber vor allem die Kinder essen sie am Liebsten draussen.

Silke: Erzählst du ein bisschen was über deinen Weg zur Rohkost? Wie sah deine
Ernährung vorher aus, warum bist du zur Rohkost übergegangen & wie ist die Reise verlaufen: kurz & einfach oder mit vielen Umwegen?

Sonja: Als ich anfing arbeiten zu gehen, merkte ich, dass ich zuviel sitze oder dafür ungünstig esse. Ich fing an leichter zu essen (sprich mehr Salate, Obst, etc.). Fleisch war sowieso nicht meins. Das liess ich zuerst weg. Als ich meine Periode nicht mehr bekam, stellte man PCO (Zysten in den Eierstöcken) fest und meinte, ich müsse Hormone und die Pille nehmen. Kinder könnte ich nur durch eine künstliche Befruchtung bekommen – wenn überhaupt.

Hormone und die Pille wollte ich auf keinen Fall nehmen. Das machte mich nachdenklich…und ich suchte weiter…und stiess of Wandmaker, den ich verschlang. Das machte alles Sinn. Ich las Tumore und Zysten bestehen aus Eiweiss (das der Körper zuviel hat und „verpackt“). Ich liess dann versuchsweise alle Milchprodukte weg und als ich ca. ein halbes Jahr später wiederkam, staunte der Gynäkologe Bauklötze… Alle Zysten waren weg :). Und ein paar Jahre später bekam ich meinen ersten Sohn – gesund und munter als natürliche Hausgeburt. Da ich auch meinen Kindern gut versorgen wollte, ass ich ab der Stillzeit dann nur noch Rohkost, was prima klappte. Muttermilch hatte ich im Überfluss (auch ohne Massen zu trinken, etc.) – auch als ich beide stillte – dem sog. Tandemstillen.

Ich dachte mir die Kinder lernen durchs Nachahmen und wenn ich es ganz esse, tun sie das auch. Heimlichkeiten wollte ich nicht, da ich das nicht fair finde. Und so stellte ich ganz um.
Ich hatte zwar – gerade anfangs – noch an besonderen Tagen (Thanksgiving, Weihnachten, Ostern) Rückfälle, die ich aber bald ganz abstellen konnte. Ab da ging es eigentlich gut. Sobald der Hebel im Kopf ganz umgelegt war, war es ganz einfach. Ich sehe das andere Essen einfach nicht als solches an. Ich roch anfangs daran und die Gefühle kamen mir in den Sinn wie es mir danach ging…das reichte ;).

Zu der Zeit setzte ich es mir auch in den Kopf, anderen Müttern und Menschen zu helfen damit. Ich merkte – damals vor 9 Jahren gab es noch keine Rohkosttreffen wie heute – wie schwer es anfangs ist, was zu finden, das auch schmeckt ;)…und jemand, der helfen und Fragen beantworten kann. Es ist wichtig, dass jemand da ist und einem Mut machen kann. Als ich es raus hatte, wollte ich es unbedingt weiter geben. So entstanden dann auch die Rohkostcamps (da bei den aufkommenden Treffen immer nur Erwachsene da waren und es gerade für Kinder wichtig ist andere zu erleben, die so essen!) und Bücher, etc..

Silke: Hast du jemals Verlangen nach Nicht-Rohem Essen? Falls ja, wie gehst du
damit um?

Sonja: Nein, nicht mehr. Ich koche auch für meinen Mann und habe kein Problem damit. Ich habe ja ganz viele leckere Sachen. Aber anfangs habe ich es so gemacht, dass ich mir einfach Ähnliches zubereitet habe. Z.B. wenn ich was Süßes brauchte, habe ich mir was mit Datteln gemacht. Man kann ja in Rohform alles nachmachen (z.B. Pizza, Kartoffelbrei, Kuchen, etc.)…und gut schmeckts auch…und danach geht’s einem auch noch gut :). Und wenn wir jetzt irgendwo sind, nehmen wir einfach was Leckeres mit.

Silke: Du lebst mit Kindern zusammen, essen die auch nur roh? Wie geht ihr mit dem Essen in der Familie um, wie gestaltet ihr eure Mahlzeiten, was machst du,
wenn die Kinder nach gekochtem Essen fragen? Gibt es eine Art Minimal-Konsens, zb daheim nur roh / nur vegan/vegetarisch?

Sonja: Die Kinder essen seit Geburt auch nur Rohkost. Mein Sohn bekam zwar durch einen Krankenhausaufenthalt mal ein paar Monate was anderes, aber danach gab’s wieder Rohkost. Mein Großer macht sich oft was selber (Shakes, etc.) oder isst einfach so Obst, Gemüse, Nüsse, etc., wenn er Hunger hat. Ansonsten essen beide einfach das mit, was ich mache. Sie fragen nicht nach gekochtem Essen. Mein Sohn hat einmal gefragt, als er mit mir das Essen für seinen Vater zubereitete. Ich erklärte ihm, weshalb wir es machen (er hatte nach dem Krankenhausaufenthalt starke Neurodermitis und war offen im ganzen Gesicht, Arme, etc. Auch sein Vater hat viele chronische Leiden) und sagte ihm, er könne probieren, wenn es ihm wichtig sei. Er nahm die Gabel mit Essen, legte sie wieder hin und sagte nein. Meine Tochter hat es als Jüngere natürlich leichter, da ihr Bruder ja auch roh isst. Wenn sie auch sowas wie der Papa haben wollen, mache ich es in Rohform (z.B. Kräcker mit Dip). Das klappt gut. Sie sind eigentlich eher dran ihren Vater zu überreden, er solle endlich mehr Rohkost essen ;). Ihnen schmeckt es und tut gut. Und Papa oder andere essen eben einfach was anderes. Nein, einen Minimal-Konsens gibt es nicht – wir essen einfach roh ;)…egal wo.

Silke: Wie gehst du mit Essen in Gesellschaft um – Einladungen bei
Nicht-Rohköstlern, Restaurantessen etc?

Sonja: Wie schon oben erwähnt…ich bringe was mit. Salate im Restaurant ergänze ich oft durch Avocado, Nüsse, etc. Freunde kennen uns und stellen auch mal einen Teller mit Obst und Gemüse hin. Ansonsten bringe ich einfach was Gutes mit :). Ohne Essen sind wir fast nie unterwegs. Ich achte halt darauf, dass es was ist, was alle auch sehr gern essen.

Silke: Hast du einen besonderen Rat für Menschen auf dem Weg zur Rohkost?

Sonja: Hört auf euren Körper! Das kann ich nicht oft genug sagen. Egal, was andere sagen, der eigene Körper weiss es am Besten und womit es euch am Besten geht. Anfangs z.B. aß ich sehr viele Nüsse…und hörte immer, zuviele Nüsse sind nicht gut, etc…ich konnte zu der Zeit nicht anders. Das Verlangen war da und ich handelte danach. Erst später erfuhr ich, dass das für den Körper wichtig war, damit die Entgiftung nicht zu schnell geht. (Es gibt so viele gegensätzliche Meinungen. Demnach könnte man gar nichts mehr Essen und Trinken…am Besten auch das Atmen aufhören, weil die Luft ja auch schon
verpestet ist ;).)

Der Körper hat dann von ganz allein umgestellt. Mit dem Grad der Reinheit im Körper wurden auch die Verlangen ganz anders. Die Körpersignale werden dann ganz klar. So gab es z.B. auch Zeiten, in denen ich keine Nüsse aß und es ging mir super. Je nach Bedarf esse ich alles, was ich verfügbar habe. Der Körper führt einen in richtiger Geschwindigkeit. Man darf nicht vergessen, dass ja jeder anders ist und eine andere Vorgeschichte hat. Einer lebte vielleicht schon vegan und aß viel Frisches, nahme keine Medikamente, etc. Er hat sicher nicht so viele Probleme wie jemand, der viele Medikamente nimmt und ein Junk Food-Esser ist. Die genauen Auswirkungen bei einer Umstellung kann keiner Voraussehen. Da ist es wirklich wichtig, auf sein Gefühl zu hören. Einfach mal für ein paar Monate probieren und schauen wie es einem geht. Man kann nichts dabei verlieren…nur gewinnen :).

Falls es ein Problem geben sollte, suche ich auf allen Bereichen – auch Superfoods, Milchprodukte und NEMs. Viele lassen sich verunsichern durch schlechte Erfahrungen…z.B. wenn es um B12 geht. Man sollte sich immer vor Augen halten, dass das auch mit der Kochkost weit verbreitet ist.

Vor allem alles locker sehen :). Wir sind alle Menschen – und hier um Erfahrungen zu sammeln. Man kann nichts falsch machen. Der Spaß darf auf keinen Fall fehlen. Kein Grund sich schuldig zu fühlen, etc., wenn man mal was Unerwünschtes isst. Nur durch sogenannte Rückfälle kann man spüren wie man sich danach fühlt…und irgendwann braucht man es nicht mehr. Auch ohne Zwang. Einfach weil es schmeckt und einem besser bekommt! Der Körper ist mein Freund.

Durch den Aufenthalt und Kontakt in den USA habe ich einige tolle Lösungen mitnehmen dürfen und lerne immer dazu. Dort wird alles wesentlich lockerer gesehen. Denn wenn man keine biologisch angebauten reifen Früchte, etc. hat, kann man durchaus Probleme bekommen. Ich lernte, wenn man offen mit der Rohkost umgeht, ist es eine tolle Sache und sie ist sehr gut.

Noch was: Ich sehe Rohkost als natürliche Nahrung an…aber keinesfalls als Allheilmittel. In unserer verunreinigten Welt mit überzüchteten Früchten, Verstrahlung, Elektrosmog, Pestiziden, etc. kann man m.M. nicht davon ausgehen, dass man allein durch Rohkost sicher ist – aber es ist ein großer Schritt in die richtige Richtung :). Und für den Rest gibt es auch schon Hilfsmittel. Für alles „Schlechte“ gibt es eine gute Lösung.

Silke: Danke für deine Antworten!

Sonja: Gern geschehen. Ich danke dir. Ich wünsche allen viel Spaß und gutes Gelingen mit der Rohkost!

Wer mehr über Sonja wissen will, findet hier ihren Newsletter & Blog.

Sharing is caring! - Diesen Artikel teilen:


Gern kannst du dich auch für meine kostenlosen Inspirationsmails eintragen, die du dann ca. alle 1-2 Wochen erhältst. Darin findest du interessante und inspirierende Artikel rund um die Rohkost, Neuigkeiten von uns und Informationen zu meinen aktuellen Projekten sowie Zubereitungsideen & Rezepte.
Folge mir bei Instagram (rawvegandigitalnomad), Twitter @rohmachtfroh und auf meiner FB Seite "Happy Healthy Raw & Free - Roh macht froh!" und abonniere meinen YouTube-Kanal "Happy Healthy Raw & Free" für jede Menge weiterer Inspirationen & Eindrücke von meiner roh-veganen Reise durchs Leben. 😀



*Manche Links hier sind Affiliate-Links. Das heisst, wenn du über diese Links etwas bestellst, bekomme ich eine kleine Provision dafür. Der Preis, den du beim jeweiligen Anbieter bezahlst, erhöht sich dadurch nicht. Damit unterstützt du meine Arbeit hier. Vielen Dank dafür! Ich setze Affiliate-Links nur zu Anbietern, bei denen ich auch selbst bestelle.


Tags: No tags

Add a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *