Der Weg ist das Ziel

Mein Weg zur Rohkost, zumindest das bewusst zurückgelegte Stück von der Entscheidung für Rohkost zur Umsetzung, war kurz & einfach; die Reise seitdem 100% roh-vegan, voller Genuss!

Jedoch: auch innerhalb einer reinen Rohkost-Ernährung gibt es viele verschiedene Arten, sich zu ernähren. Bessere & weniger gute – oder, anders ausgedrückt: das Wohlbefinden fördernde & andere, weniger gut bekömmliche. Mit der Umstellung auf Rohkost erleben die meisten Menschen zunächst nur positive Veränderungen: gesteigertes Wohlbefinden, mehr Energie, größere Klarheit, das Verschwinden von Krankheitssymptomen. Das liegt vor allem an all dem, den Körper belastenden, was nun nicht mehr gegessen wird. Außerdem steigt im Vergleich zur vorhergehenden, herkömmlichen Ernährung mit der Rohkost die Vitalstoffversorgung rapide an. Im Laufe der Zeit wird der 100% roh ernährte Körper immer reiner. Und immer sensibler für seine Bedürfnisse. Er braucht weniger Nahrung, mag weniger Mischungen, weniger verarbeitete Nahrungsmittel, reagiert auch empfindlicher auf Schadstoffbelastungen und so weiter.

Lieblings-Urkost-Mahl: Durian an Wildkräutern

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mir am besten geht, wenn ich Urkost esse – Früchte, Gemüse, viiiiiiel Grünzeug, vor allem viele Wildkräuter. Das Ganze möglichst so, wie es wächst, nicht zubereitet, wenig gemischt, nicht zu viel. Leider fällt mir das weitere Folgen dieses Weges nicht immer so leicht – je nach (seelischer) Verfassung & dem, was mir das Leben so bringt, esse ich mal mehr, mal weniger optimal. Immer roh zwar (& immer vegan sowieso), denn alles andere betrachte ich schlicht genauso wenig als essbar wie z. B. eine alte Zeitung. Aber eben nicht immer so, wie mein Körper es am liebsten hat.

Manchmal „fliege“ ich mit meiner Ernährung „zu hoch“, weiss nicht wohin mit meinen Energien & Ideen, fühle mich zu wenig geerdet. Dann esse ich mehr „schwerere“ Nahrungsmittel wie z. B. Kerne oder Datteln oder mehr Fettiges wie Avocados. So wie sich in der ersten Zeit mit der Rohkost körperliche Blockaden, Verschlackungen gelöst haben, so lösen sich im Laufe der Zeit (natürlich nicht nur, aber auch durch die Rohkost) auch gefühlsmäßige Knoten. Seelische Entgiftung, sozusagen. Und manchmal fühle ich mich dadurch hochkommenden, schmerzhaften Gefühlen (noch) nicht so recht gewachsen. In solchen Phasen esse ich dann zu viel (= mehr, als mein Körper braucht), zu durcheinander, zu spät abends, falle auf zubereitete Rohkost zurück, zum Betäuben schmerzhafter Gefühle oder als Ersatzbefriedigung für emotionale Bedürfnisse … viele Prägungen, gerade im Zusammenhang mit Essen, sitzen wirklich tief. Und gerade beim Essen merke ich immer wieder, wie weit entfernt vom „Continuum“ (-> Jean Liedloff: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück: Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit) mein ganzes Leben war & ist.

Manchmal sind es auch einfach äußere Anlässe oder die pure Experimentierfreude, die mich essensmäßig von mir weg führen. Kopfzerbrechen bereitet mir das nicht – der Weg ist das Ziel, lehrreich ist er & vor allem macht er Spaß!

Rohkost für Kinder II

Auch für Kinder ist natürlich die pure, unverarbeitete, ungewürzte Rohkost, Urkost, bestehend aus Früchten, Gemüse, grünen Blättern (Salaten, Blattgemüsen, Algen und vor allem Wildkräutern) sowie Kernen die optimalste, weil artgerechte, Ernährungsform. Bereits an die Kochkost gewöhnte Kindern lassen sich davon allerdings nicht unbedingt spontan begeistern – vieles schmeckt zunächst fad im Vergleich zu den bekannten Gerichten. Es sieht anders aus, ist anstrengender zu essen, … und ohnehin neigen die meisten Kinder dazu, unbekannte Speisen & Geschmäcker erst einmal abzulehnen. Was evolutionsgeschichtlich gesehen durchaus sinnvoll ist, eine Ernährungsumstellung jedoch nicht grade erleichtert. Natürlich kannst & solltest du dein Kind auf keinen Fall zwingen, deinen neu entdeckten Weg mit zu gehen.

Kinder roh ernähren

Falls du dich noch immer fragst, ob denn Rohkost auch für ein Kind eine geeignete Ernährung darstellt: ausdrücklich JA – Kinder können nicht nur problemlos mit Rohkost ernährt werden, sie gedeihen dabei hervorragend! Es ist die beste Ernährung, die wir ihnen geben können! Und: sie bringen dieses Wissen mit auf die Welt. Eine natürliche Ernährung, roh, vegan, unbehandelt, unverarbeitet, nicht erhitzt … das ist das, was sie im Anschluss an die Stillzeit sozusagen erwarten. Wer schon mal versucht hat, ein Baby oder Kleinkind mit gekochten Breis oder ähnlichem zu füttern, es so an „feste“ Nahrung zu gewöhnen, hat vermutlich die Erfahrung gemacht, dass dieses Essen abgelehnt, verweigert, wieder ausgespuckt wird … bei entsprechender Beharrlichkeit „gewöhnen“ sich dann zwar die meisten Kinder irgendwann daran, denn offensichtlich gibt es ja nichts anderes …

… aber wie anders sieht es aus, wenn wir einfach unsere Rohkost genießen & die Kinder, sobald sie Interesse daran zeigen, daran teilhaben lassen! Ihnen von den köstlichen Früchten abgeben, sie damit herumspielen & davon probieren lassen. Es gibt ausreichend weiche, auch mit wenigen Zähnen leicht zu bewältigende Früchte: Bananen, Avocados, Trinkkokosnüsse, Erdbeeren, Durian … püriert oder gemixt muss da nichts werden! Übrigens ist es vollkommen „normal“, wenn Kinder erst mit 1 Jahr oder später Interesse an fester Nahrung, an etwas anderem als Muttermilch, zeigen! Meine Tochter hat erst im Alter von ca 19-20 Monaten langsam angefangen zu essen. Bis festes Essen wichtiger zum Sattwerden für sie wurde als Muttermilch war sie schon 2 Jahre alt.

Ein Kind, das von Anfang an Rohkost bekommt & dabei aus einer ausreichenden Auswahl von Früchten, Gemüsen & grünen Blättern selbst auswählen kann, was es essen möchte, wird sich alles nehmen, was es braucht & ganz gewiss keinen Mangel dabei erleiden.

Gerade in den ersten Jahren des schnellen Wachstums, des Aufbaus von Körper & Gehirn, ist die Ernährung besonders wichtig! Je besser die Nahrung & die sonstigen Lebensgewohnheiten, desto gesünder & kräftiger wächst der Körper heran. Auch wenn wir vermutlich alle in einer so gar nicht rohköstlichen Welt leben & unsere Kinder daher früher oder später all das „andere“ Essen entdecken & irgendwann probieren werden: die Basis der ersten Jahre bleibt ihnen erhalten! Außerdem prägen diese ersten Erfahrungen mit Essen sie natürlich. Die Gefahr, dass sie Geschmack an Gekochtem oder gar all den künstlichen Lebensmitteln, JunkFood usw, finden, ist deutlich geringer, wenn sie an die weltbeste 🙂 Nahrung gewöhnt sind. Auch werden sie selbst bemerken, wie sich das Essen in ihrem Körper anfühlt, wie es sich auf ihr Wohlbefinden auswirkt … eine Erfahrung, die viel wertvoller ist als jeder erklärende Vortrag, den wir ihnen dazu halten könnten. Die Chancen stehen gut, dass sie, selbst wenn sie im jugendlichen Alter ernährungsmäßig total „abdriften“ sollten, später wieder zurückfinden zu dem, was sie in früher Kindheit geprägt hat.

Wie können wir unsere Rohkost-Kinder nun am besten unterstützen, wenn die Kochkostwelt & ganz besonders deren Marketingstrategien sie verlocken? Wie älteren Kindern, die schon an Kochkost & deren Geschmäcker gewöhnt sind, den Übergang zur Rohkost schmackhaft machen? Darüber mehr im nächsten Artikel …

Billiger Essen?

Eine roh-vegane Ernährung, bestehend aus unbehandelten, möglichst biologisch produzierten, Früchten & Gemüsen, Wildkräutern, eventuell außerdem Nüssen & Kernen (natürlich ebenfalls bio und in Rohkostqualität), ist gewiss das Beste für unsere Gesundheit. Die sparsamste Art sich zu ernähren ist es jedoch definitiv nicht. Selbst wenn du dich auf regionale Produkte beschränkst & einen großen Anteil an Wildkräutern isst, wirst du immer noch mehr für dein Essen ausgeben als bei einer Standard-Supermarkt-Ernährung:

Vor mehreren Jahren schon hat Adam Drewnowski im Rahmen seiner Studien zur Fettsucht herausgefunden, dass man für einen Dollar 1.200 Kalorien Kekse oder Kartoffelchips bekommt, aber nur 250 Kalorien Möhren und nur 170 Kalorien Orangensaft.

In vielen Supermärkten bekommt man ein ganzes Huhn für einen niedrigeren Preis als eine Tüte Bio-Kohl. Subventionen haben die ungesündesten Nahrungsmittel, produziert mit den geringsten Anforderungen an Ethik & Nachhaltigkeit, zu den billigsten Lebensmitteln gemacht. Und damit zu den am meisten konsumierten.

Es scheint dem Kunden, als ob er die besten Sonderangebote bekommt. Aber das bedeutet nicht, das er (und wir alle) nicht auf andere Art für diese Nahrungsmittel bezahlt!

Mal ganz abgesehen von den zerstörerischen Auswirkungen der Produktionsverfahren zur Herstellung der Billig-Lebensmittel auf die Welt & damit auf uns alle – dem höchsten Preis, den wir alle zahlen! -: Willst du dein Geld lieber jetzt für deine Nahrung ausgeben – für eine Nahrung, die dich stärkt & gesund erhält – oder in ein paar Jahren für Heilpraktiker, Ärzte & Krankenhäuser? Ganz zu schweigen von der Bedeutung deines Wohlbefindens für deine Lebensqualität!

Nun gibt es ja nicht nur schwarz & weiss … das Spektrum an Ernährungsmöglichkeiten zwischen Rohkost & Junkfood ist groß, & vielleicht denkst du dir, dass es weder der Welt noch dir so sehr schaden wird, wenn du biologisch-regional-vegan aber eben gekocht isst. Macht doch ein Teller Nudeln, Reis, Linsen oder Grießbrei um so viel preisgünstiger satt als Papayas, Salat oder Erdbeeren. Warum selbst solche vergleichweise „harmlos“ anmutenden Gerichte schon nicht dem entsprechen, was dein Körper braucht & was ihm gut tut, darüber habe ich unter anderem hier („Roh – warum eigentlich?“) schon einmal geschrieben. Ist dein Körper erstmal an eine zumindestens überwiegende Frischkost-Ernährung gewöhnt, wird er dir schnell & deutlich zeigen, wenn ihm etwas nicht gut tut. Und du kannst dir dann überlegen, ob sich die Sparsamkeit da wirklich lohnt …

Ein paar Tipps zur kostengünstigeren Gestaltung der Rohkost findest du übrigens in dem Artikel „Sparsame Rohkost„.

Kalorien, natürliches Essen und andere Fragen

In letzter Zeit sind zu dem, was ich hier so über unser Essen schreibe, verschiedene Fragen & Kommentare angekommen. Zu denen ich heute gern mal was schreiben möchte.

Zum einen ist da die immer wiederkehrende Frage nach dem ausreichenden Kaloriengehalt bzw Nährwert unseres Essens. Hier im Blog verzichte ich absichtlich auf Angaben zu unseren Essensmengen – zu unterschiedlich ist der individuelle Bedarf um satt zu werden! Abhängig von Körpergröße, Lebensumständen, körperlicher Aktivität, besonderen Lebensphasen wie Wachstum, Stillzeit etc und weiteren Faktoren. Ihr könnt euch sicher sein, dass wir immer genug essen um satt zu werden 🙂

Jedoch messe, wiege, analysiere und berechne ich unser Essen nicht. Weder im Hinblick auf die Kalorien noch auf den Gehalt an Vitalstoffen oder sonst irgendwas. Wir essen nach Appetit und Hunger und ich bin absolut sicher, dass wir damit genug & alles, was unsere Körper brauchen, bekommen!

Mehr zu diesem Thema findet ihr auch in folgenden Artikeln:

Kalorienbedarf 27 Bananen?
Figur, Gewicht, Bedarf
Ein anderes Ernährungsparadigma

Falls beim Leben in unserer relativ unnatürlichen Umgebung mal Fragen zur Richtigkeit auftauchen sollten, verweise ich auf die Natur – „Wie wäre das jetzt, wenn wir wahrhaft natürlich leben würden?“. Über die Grundlagen dieser Betrachtungsweise (& damit dem Einstieg in unsere Art der Ernährung) schreibt meine liebe Affenfreundin übrigens seit einiger Zeit einen sehr unterhaltsamen Blog: Mein Affenexperiment. Vor einigen Tagen zum Beispiel die einfache & einleuchtende Erklärung, warum wir Menschen keine Fleischfresser sind.

Weshalb ich auch glaube, dass diejenigen, die beharrlich auf ihren Instinkt verweisen, der sie dazu treibe, Tierleichen zu essen, in Wirklichkeit nicht ihrem Instinkt folgen, sondern entweder ihrer Konditionierung (man könnte auch sagen: Sucht) aus früheren Jahren folgen – denn wer von uns ist schon von Kindheit an vegetarisch/vegan? – oder auf die Verführung/Gehirnwäsche durch die Welt um uns herum hereinfallen. Anschaulich formuliert in diesem Zitat (dessen Quelle mir leider verloren gegangen ist):

„Gib einem Kind eine Möhre und ein Kaninchen. Wenn es mit der Möhre spielt und das Kaninchen isst, schenke ich dir einen RollsRoyce.“

Womit ich bei einer weiteren Frage angekommen bin: die Natürlichkeit unserer Ernährung. Obwohl wir uns definitiv roh ernähren, ist das, was ihr auf den Fotos hier im Blog oft seht, häufig nicht mehr wirklich Nahrung in ihrer natürlichen Form. Warum mache ich das? Wo ich doch, wie ich es immer wieder betone, die Nahrungsmittel in ihrer natürlichen Form am liebsten mag? Das ist wirklich so – ich habe am liebsten einfach eine Frucht & Grünzeug in der Hand und beisse hinein. Wofür dann der Aufwand – denn: ja, es ist wirklich Aufwand. Mixen, Schneiden, Dekorieren oder gar Zubereitungen zur rohen Imitation von bekannten Kochkost-Gerichten brauchen mindestens genauso viel Zeit wie Kochen (doch zumindestens ist das Ergebnis weitaus besser 🙂 & fühlt sich vor allem viel besser an im Bauch!)

Wer Rohkost mit Kind(ern) in unserer Welt lebt, weiss warum: meine Tochter liebt die Rohkost, die Früchte, Essen direkt aus der Natur, Wildkräuter, Algen … und sie isst voller Genuss aus dem Angebot dessen, was die Natur für uns bereithält. Ich sorge dafür, dass dieses Angebot immer möglichst breit gefächert ist. Ist es mal nicht so groß, dann hilft das Zubereiten, ihr Bedürfnis nach Abwechslung zu erfüllen. Denn: wir leben nun mal nicht im tropischen Urwald oder auf einer weit abgelegenen Finca, sondern mitten in einer … nennen wir sie mal „zivilisierten“ Umgebung. Umgeben von Kochköstlern, Lebensmittelgeschäften, Werbung … wohin wir schauen, sehen wir, was der Rest der Welt für essbar hält. Kinder, zumindestens meine Tochter, sind neugierig. Sie findet rosa überzogene Muffins auf M*acDonalds-Plakaten schön und all die bunten Süßigkeiten im Supermarktregal, in HelloK*itty-Verpackungen und ähnlichem. Wenn der große Bruder sich Chips kauft oder die anderen Kinder nach der Ballettstunde Kekse teilen, will sie wissen, wie das wohl schmeckt. Sie ist stark genug, „anders“ zu sein – aber es fällt ihr leichter & macht ihr vor allem viel mehr Spaß, wenn auch ihr Essen mal so bunt & schillernd aussieht. Die Freude am wahrhaft natürlichen Essen verliert sie dabei übrigens ganz und gar nicht … unvergleichlich auch für sie der Genuss einer frisch gepflückten Orange oder der momentan köstlichen Platterbsenblätter, von denen sie gar nicht genug bekommen kann!

So bleibt unser Speiseplan weiterhin abwechslungsreich und den individuellen Vorlieben & Bedürfnissen entsprechend gemischt.

Entgiftung

Noch so ein häufig diskutiertes Thema bei RohköstlerInnen: Entgiftung. Besonders in der Anfangszeit, bei der Umstellung auf Rohkost, entgiftet der Körper deutlich. Je nach vorherigem Lebenswandel mehr oder weniger stark. Auf welche Art der Körper entgiftet, das ist individuell verschieden. Sehr häufig sind Schnupfen oder grippeartige Symptome, meist entsorgt der Körper große Mengen an Schleim. Oft kommt es auch zu Gewichtsverlust, selbst wenn vorher kein Übergewicht vorhanden war. Auch dies ist ein Weg zu entgiften: nicht optimal aufgebaute Körpermasse abbauen. Mein Körper hat in den ersten 3 Monaten mit Rohkost 10kg Gewicht abgebaut. Sobald ich einige Zeit später verstärkt Wildkräuter in meine Ernährung aufgenommen habe, bekam ich erst eitrige Entzündungen an den Fingern, dann wunde Brustwarzen, anschließend eine mehrere Wochen dauernde Nebenhöhlenentzündung mit starker Schleimbildung. Als Kind habe ich sehr häufig unter Mittelohr- und Mandelentzündungen gelitten – bis man mir schließlich die Mandeln entfernt hat. Möglicherweise stand die auf diesen Teil meines Körpers konzentrierte Reinigung damit im Zusammenhang. Oder vielleicht mit den Zähnen, an denen leider auch schon von Kindheit an viel behandelt wurde? Ich weiss es nicht, aber ich bin mir sicher, dass mein Körper immer die besten ihm zur Verfügung stehenden Wege nutzt, um Giftstoffe abzubauen & sich zu heilen.

Wie die meisten von uns habe ich die Rohkost erst relativ spät entdeckt & so ist es nicht weiter verwunderlich, dass mein Körper, der viele Jahre lang nicht gerade optimal ernährt wurde, nun auch seine Zeit braucht, um all die eingelagerten Gifte & Schlacken wieder loszuwerden. Ich kenne Rohköstler, die noch nach 20 Jahren die Reinigung von uralten Rückständen, z. B. extrem künstlicher Lebensmittel wie Gummibärchen, Kaugummi u. ä. feststellen. Solche Entgiftungen sind ihrer Beschreibung nach manchmal durch urplötzlich auftretenden Appetit auf das früher einmal Gegessene gekennzeichnet. Gibt man diesem Appetit nicht nach, befreit sich der Körper in der Folge von den noch vorhandenen Resten.

Die vielgepriesenen Wildkräuter sind nicht nur unentbehrlich für die Sättigung & die Versorgung mit allen Vitalstoffen, sie unterstützen auch die Entgiftung. Besonders auffällig ist das im Frühjahr, wenn wir nach einer mehr oder weniger langen Winterzeit wieder verstärkt Wildkräuter in unsere Ernährung aufnehmen … und damit nicht selten einen Reinigungsprozess unseres Körpers in Gang setzen. Diese „Erstreaktion“ ist somit nicht etwa ein Zeichen für eine Unverträglichkeit … also nicht erschrecken, sondern weiterhin täglich Wildkräuter essen, am besten zu jeder Mahlzeit!

Ein paar Sorten erkennt mit Sicherheit jedeR von euch: Löwenzahn, Gänseblümchen, Brennesseln, Giersch, Klee, Sauerampfer, … & so nach & nach erweitert sich das Spektrum von ganz alleine. Auch die zunächst noch ungewohnten Geschmäcker werdet ihr bald schätzen lernen. Bei Kindern & Anfängern meist beliebt sind Sauerampfer, Sauerklee, Vogelmiere, Lindenblätter, Melde, Platterbse … die schmecken alle recht mild. Auch der Geschmack von Brennesseln ist sehr angenehm; es erfordert nur ein wenig Übung sie zu pflücken & zu essen, ohne sich daran zu verbrennen. Für den Anfang können sie aber gut im Smoothie verwendet werden. Wie natürlich auch alle anderen Wildkräuter.

Algen

Von den einen als Superfood gepriesen, von anderen abgelehnt, weil nicht zur ursprünglichen Nahrung des Menschen gehörend: wie zu so vielem gibt es auch zu Algen viele verschiedene Meinungen in der Rohkost-Welt. Meine Meinung dazu ist, klar: ganz nach Bedarf, nach Gefühl. Probier es aus, wenn du willst; höre auf deinen Körper. Ein notwendiger Bestandteil für eine ausreichende Ernährung sind Algen sicher nicht. Sie enthalten aber jede Menge wertvoller Inhaltsstoffe: die Vitamine A, B1, B2, B3, B6, B12, C, E, G, K und S, mindestens 28 Mineralien, insbesondere auch große Mengen an Jod (wichtig für die Drüsen). Omega-3-Fettsäuren ebenfalls. Algen stimulieren den Stoffwechsel, helfen beim Abbau von Ablagerungen, reinigen und stärken den gesamten Körper und verbessern somit u. a. auch das Erscheinungsbild der Haut. Aus dieser Sicht also durchaus eine wertvolle Ergänzung unserer Ernährung!

Ich persönlich mag Algen auf jeden Fall sehr gerne; auch meine Tochter liebt sie. Am liebsten ganz frisch – zum Beispiel den Blasentang, den wir weiter im Norden Europas so gern geerntet haben.

Fucus-Algen (Blasentang) an der Küste der Isle of Wight, bei Ebbe.


Zur Zeit leben wir wieder recht nah am Meer – dem Atlantik nun, in dem immerhin Wakame-, Dulse und weitere Algen wachsen sollen. Mal schauen, ob wir hier irgendwo welche finden werden!

Wie, in welcher Form, lassen sich denn Algen nun eigentlich genießen? Wie bei allem, was wir so essen: frisch sind sie sicher am besten, sowohl was den Geschmack als auch den Nähr- & Vitalstoffgehalt betrifft! Glücklich, wer küstennah wohnt & gelegentlich einfach mal welche sammeln kann! Für alle anderen gibt es ab und zu, saisonal bedingt, auch frische, rohe Algen zu kaufen. Zum Beispiel bei Orkos oder bei Veggie’s Delight. Einfacher & das ganze Jahr über erhältlich sind getrocknete Algen. Die gibt es, in Rohkostqualität, beispielsweise im Wurzel-Shop. Auch in Bio- und in Asia-Läden wird ein großes Sortiment an getrockneten Algen angeboten, die allerdings meist bei hohen Temperaturen getrocknet wurden und somit leider kaum noch Leben enthalten. Natürlich könnt ihr auch frische Algen selber trocknen – einfach an der Luft liegen lassen.

Getrocknete Algen können zwar auch trocken gegessen werden, allerdings sind sie dann sehr salzig – und sehr trocken 😉 . Ich mahle sie so übrigens gern zu Pulver, das meine Tochter dann wie Salz verwendet oder mit Wasser zusammen zu einer Suppe anrührt – roh-vegane Tütensuppe sozusagen :).
Für den Verzehr im Ganzen besser ist es, sie, wie Trockenfrüchte, vorher einige Stunden lang einzuweichen. Anschliessend schmecken sie lecker zu Avocado, Wurzeln, Nüssen/Kernen und gekeimten Hülsenfrüchten. Auch die Kombination mit Süßem, z. B. mit Sonnenblumenkernen & Rosinen oder mit Süßkartoffeln & Datteln, ist sehr reizvoll. Spaghetti-Algen, die eine Form wie schmale Bandnudeln haben, bieten sich als rohes „Nudelgericht“ an. Wakame, Dulse oder Meeressalat lassen sich, pur oder gemischt mit Blattsalaten, als Salate anrichten. Sogar das vermutlich bekannteste Algen-Gericht, Sushi, lässt sich als roh-vegane Version herstellen: rohe, zu Sushi-Blättern gepresste Nori-Algen gibt es neuerdings bei lifefood; das passende Rezept dazu findet ihr hier.

Auf den Verpackungen der Algen im Handel finden sich häufig Warnhinweise zum hohen Jodgehalt, die einen mengenmäßig beschränkten Verzehr empfehlen. Wie ihr das handhaben wollt, müsst ihr natürlich selbst entscheiden. Vielleicht helfen euch die folgenden Überlegungen dabei: In Japan essen die Menschen traditionell schon immer große Mengen an Algen, ohne sich durch übermäßig viel Jod irgendwie zu schaden. Meiner Beobachtung nach ist es auch hier wieder eine gute Idee, auf den Körper und seine Reaktionen zu achten. Ein natürlich ernährter Körper signalisiert seinen Bedarf recht zuverlässig durch den Appetit. Meine Tochter hat seit dem Alter von noch nicht mal 2 Jahren Algen gegessen, soviel sie wollte. Nach längerer „Abstinenz“ futtert sie oft große Mengen auf einmal; bekommt sie mehrere Tage in Folge Algen, lässt ihr Appetit darauf nach einiger Zeit nach. Ich selbst esse seit mehreren Jahren Algen, oft & manchmal in großen Mengen, & sie bekommen mir ausgezeichnet!

Optimal: regional & bio

Nach und nach haben wir inzwischen Quellen für unsere Nahrung gefunden – für unbehandelte frische Früchte & Gemüse aus regionalem Anbau, Mandeln, Sonnenblumenkerne, Datteln. Kokosnüsse. Nüsse und einige wenige Trockenfrüchte in Rohkostqualität haben wir auch entdeckt. Wir kaufen auf Bauernmärkten und am Biostand im Mercado Municipal in Puerto de la Cruz. Letzterer bietet außer (zertifiziertem) Bio-Obst & -Gemüse, sowohl lokalem als auch importiertem, auch einige Öle, Trockenfrüchte, Datteln, Mandeln & Nüsse.

Auch Wildkräuter wachsen hier überall reichlich. Wer den Blog in den letzten Wochen verfolgt hat, weiss schon einiges darüber. Momentan haben wir in der Nähe unseres Domizils Malve und Brennessel, unterwegs finde ich meist noch Kapuzinerkresse, wilden Fenchel, Vogelmiere … Löwenzahn, den, den ich aus Deutschland kenne, hab ich bisher nur einmal gesehen, und Giersch noch gar nicht.

Importierte Früchte sind hier übrigens ziemlich teuer. Auch das ein Grund, das regionale Angebot zu nutzen. Dafür gibt es aber noch weitere gute Gründe:

  • Höherer Vitalstoffgehalt – der lässt nämlich nach der Ernte kontinuierlich nach; je länger die Transportzeiten, desto geringer die Menge der verbleibenden Vitalstoffe.
  • Regional wachsende Pflanzen, insbesondere Wildpflanzen, sind optimal an die Region angepasst & können damit unserem Körper das geben, was er in seiner aktuellen Umgebung besonders braucht.
  • Geringere Mitwelt-Belastung durch kürzere Transportwege

Eine überwiegend regionale roh-vegane Ernährung ist in vielen Gegenden dieser Welt klimabedingt gar nicht oder nur zeitweise möglich. Z. B. in Deutschland. In dem Fall halte ich es für wichtiger, eine gute Versorgung sicherzustellen und dafür auf importierte Früchte zurückzugreifen. Wir können der Welt, in der wir leben, nur gut tun, wenn es uns selbst gut geht. Zu hungern oder Nährstoffmängel zu riskieren, hilft niemandem weiter. Wir sind entwicklungsgeschichtlich nun mal auf Früchte, besonders auf tropische Früchte, „geeicht“ – besser sie als Importware zu essen als gar nicht!

Was die Belastung der Mitwelt durch Transporte usw betrifft, so ist es tatsächlich so, dass der weitaus größte Energiebedarf nicht für den Transport der Früchte anfällt, sondern für deren Erzeugung und Lagerung. Eine Studie hat vor einigen Jahren sogar gezeigt, dass es unter ökologischem Gesichtspunkt besser ist, im Frühling in Nordamerika aus Neuseeland importierte Äpfel zu essen als die lokalen, die über den Winter in gigantischen Kühlhäusern gelagert werden. Ich nehme an, dass sich das in Deutschland ähnlich verhält!

Zusammenfassend: Frische Früchte und Gemüse sind gesünder als alles andere, was wir essen könnten. Egal, ob lokal oder importiert, und egal ob bio oder nicht. Eine Banane aus konventionellem Anbau ist immer noch weitaus besser als Bio-Käse. Und frische Orangen tun mir trotz konventioneller Anbaumethoden besser als Bio-Trockenfrüchte. Optimal ist sicher eine Ernährung aus lokaler, saisonaler, unbehandelter frischer pflanzlicher Nahrung. Ebenso wichtig ist aber eine möglichst große Auswahl unterschiedlicher Früchte & Gemüse, ggfs inklusive importierter Ware, zur Deckung des Vitalstoffbedarfs. Ich versuche, mich so weit wie möglich von regionalen, saisonalen und unbehandelten Früchten, Gemüsen & natürlich Wildkräutern zu ernähren, greife aber, wenn das aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, auf gute, saisonale & möglichst sonnengereifte Importware zurück. Und auch wenn ich es aus gutem Grund vermeide, pestizidbelastete Trauben, Beeren, Kirschen und ähnliches zu kaufen: lieber esse ich mal (geschälte) Früchte aus konventionellem Anbau als mich überwiegend von Nüssen und Trockenfrüchten in Bioqualität zu ernähren.

Familien-Rohkost: Grundnahrungsmittel

Viele unserer Grundnahrungsmittel bieten sich hier auf Teneriffa noch mehr als in Deutschland als Basis unserer rohköstlichen Ernährung an: günstig, sättigend, nährend – und hier auch noch aus regionalem Anbau. Süßkartoffeln gehören dazu, Avocados, Orangen, Papayas, Mandeln und natürlich Bananen. Die hiesigen Bananen sind andere, kleinere, geschmacklich intensivere als die, die wir aus Deutschland kannten. Sehr lecker! Ebenso wie in Deutschland sind sie selbst in Bio-Qualität günstig zu bekommen, besonders, wenn man, wie ich, die schon reifen Früchte bevorzugt.

Die meisten Kinder mögen Bananen auch pur; für die anderen & damit’s nicht so schnell langweilig wird, hab ich für euch mal ein paar einfache Zubereitungsideen zusammengestellt. Immer die erste Idee & bei meiner Tochter grad wieder hoch im Kurs: der Grüne Smoothie aus Banane und Brennesseln. Wenn ihr viele frische Brennesselsamen mit hineinmixt & den Smoothie kurz stehenlasst, wird er etwas fest & kann so auch gut als Pudding auf einen Teller gestürzt werden. Oder als Tortenfüllung verwendet werden. Natürlich lassen sich Smoothies auch mit anderen Wildkräutern und/oder weiteren Früchten zubereiten.

Weitere Serviervorschläge:

  • Bananenmasala – gemixt mit Gewürzen wie z. B. Zimt, Kardamom, Ingwer. Gerade in der kalten Jahreszeit angenehm wärmend!
  • Kombiniert mit Kokosnuss und Hokkaidokürbis auch farblich ein Genuss.
  • Zusammen mit Currydipp zum Einstippen.
  • Bananen halbieren, in Carob oder gehackten Nüssen wälzen und auf Holzstiele gesteckt als Lollis servieren. Oder die halbierten Bananen auf Holzstielen einfrieren -> Eis am Stiel!
  • Banane in kleineren Stücken einfrieren & im Mixer zu Eiscreme verarbeiten. Pur oder mit anderen (nicht gefrorenen Früchten) zusammen.
  • Banane, Carobpulver und geriebene reife Kokosnuss glatt mixen, über Nacht im Kühlschrank festwerden lassen: fertig ist eine frische & vergleichsweise leichte Schokolade.