Gelesen: Natural Eating

Als eine liebe Freundin mir kürzlich dieses Buch empfahl, habe ich nicht lange gezögert: Natural Eating – Natürlich essen -, das ist mein Thema. Also hab ich es mir sofort gekauft – als Kindle eBook, damit ich nicht wochenlang auf die Lieferung bis hierher auf die Insel warten muss – und gelesen. Um es vorwegzunehmen: das Buch steckt voller interessanter Informationen zu unserer Ernährung, große Überraschungen haben mich darin jedoch nicht erwartet. Der Ernährungswissenschaftler Geoff Bond definiert in „Natural Eating. Natürlich fit und gesund essen was der Körper wirklich braucht.“ natürliches Essen als das „Essen in Harmonie mit unserer genetischen Programmierung“.

Um festzustellen, wie das aussehen muss, betrachtet er sowohl unsere prähistorischen Vorfahren (in der Zeit, bevor sie begannen, sich sesshaft zu machen) als auch unsere nahen Verwandten, die verschiedenen Primaten-Arten, sowie einige noch in der jüngeren Vergangenheit ursprünglich lebenden Völker wie beispielsweise die Aborigines und vergleicht sie miteinander. Es überrascht nicht zu sehen, dass deren Ernährungsgewohnheiten alle durch dieselben Faktoren definiert werden:

  • großes Volumen (ca. 2 kg pflanzlicher Nahrung/pro Tag)
  • geringe Kaloriendichte
  • reich an Mikronährstoffen
  • reich an Ballaststoffen
  • sehr wenig Fett
  • niedriger glykämischer Index
  • wenig Salz

So sah die Ernährung der sehr frühen Menschen vermutlich aus: Sie lebten von Gesammeltem: Nüsse, Früchte, Blätter, Wurzeln, Raupen, Krustentiere, Rinden, Harze, Gräser, gelegentlich Aas. Tierisches machte vermutlich einen Anteil von höchstens 20% an ihrer Ernährung aus, und es handelte sich dabei um Echsen, Schlangen, Käfer, Raupen, Frösche, Insekten, Schalentiere, Eier, kleine Wildtiere und Aas. Im Hinblick auf den Fettgehalt ist das eine fettarme Ernährungsweise, bei der die aufgenommenen Fette kaum gesättigte, dafür viele essentielle Fettsäuren mit einem Linolsäure-Linolensäure-Verhältnis zwischen 4:1 und 1:1 waren. Ca. 2kg pflanzliche Nahrung wurde pro Tag gegessen – für dieses Volumen sind unsere Körper geschaffen; die Nahrung war durchweg von geringer Kaloriendichte und Kalorien stellen eher kein geeignetes Maß für unsere ausreichende Ernährung dar. Ebensowenig übrigens, wie die moderne Interpretation des BMI: die Aborigines z. B., die noch bis vor ca. 200 Jahren sehr ursprünglich lebten und sich ernährten, waren für heutige Begriffe sehr dünn, mit einem BMI zwischen 13,5 und 19, aber wesentlich gesünder als die Allermeisten heute. Zum Vergleich: ein BMI unter 18 oder 19 (je nach Tabelle) gilt heutzutage als behandlungsbedürftiges Untergewicht.

Die Probleme begannen mit der Sesshaftigkeit und dem damit verbundenen Anbau vor rund 10.000 Jahren. … Das Buch gibt einen guten Überblick über die sich ändernden Ernährungsgewohnheiten und über die Zusammenhänge zwischen den als „normal“ angesehenen Zivilisationskrankheiten und der Standardernährung, deren Details ich mir (& dir) jetzt mal erspare.

Als weitere Aspekte, die für eine natürliche Ernährungsweise eine Rolle spielen, erwähnt Geoff Bond

  • die Bedeutung des Säuren-Basen-Gleichgewichts im Körper und der daraus folgenden Notwendigkeit, überwiegend basisch zu essen (nur Früchte, Salate, Gemüse werden basisch verstoffwechselt!)
  • Geeignete bzw. ungeeignete Kombinationen aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen von Früchten, Stärke, Proteinen und Fetten an die Verdauung:
    • Früchte werden im Dünndarm verdaut und sollen nur auf leeren Magen gegessen werden, und nur Mono.
    • Proteine und Stärke sollten nicht kombiniert werden. Die Stärkeverdauung beginnt im Mund, wird im Magen gestopt und im Dünndarm fortgesetzt. Proteine (insbesondere tierische Proteine) hingegen brauchen eine verlängerte Bearbeitung durch Säuren und Enzyme im Magen und anschließend weitere Verdauung im Dünndarm. Beide kurbeln die Insulinausschüttung an.
    • Für Salate, Gemüse und Fette gibt es keine Regeln, hier kann beliebig kombiniert werden.
  • Nach den Mahlzeiten sollten daher folgende Mindestpausen eingehalten werden, bevor etwas anderes gegessen wird:
    • Nach Früchten 15 Minuten
    • Nach Stärke 1 Std.
    • Nach pflanzlichem Protein 2 Std, nach tierischem Protein 3 Std.
  • Ebenfalls im Interesse einer guten Verdauung sollten die Mahlzeiten eher klein sein.

Unsere Ahnen konnten damals im Dschungel überleben; wir müssen uns nun im Dschungel der Supermärkte etc. zurechtfinden. NICHTS, was dort angeboten wird, hätten unsere prähistorischen Vorfahren als essbar erkannt!!! Selbst die heute angebotenen Früchte sind etwas komplett Anderes als die, die es damals gab. Es gilt also, klug zu wählen!

„Natürliche Ernährung“, das heisst heutzutage folglich auch, die Kunst, unter modernen Bedingungen unseren natürlichen Ernährungsmustern nahezukommen. Dieses natürliche Ernährungsmuster sieht, Geoff Bond zufolge, zusammengefasst so aus:

  • Das Nahrungsangebot zeichnet sich durch großes Volumen, viele Ballaststoffe, geringe Kaloriendichte, hohe Mikronährstoffdichte, niedrigen glykämischen Index, wenig Fett und wenig Salz aus.
  • Unsere Programmierung sieht vor, dass wir
    • wenig aber oft essen,
    • morgens erst mit dem Essen beginnen, wenn unser Körper dafür bereit ist
    • abends wenig oder gar nichts essen
    • einfache Mahlzeiten essen, mono oder wenige verschiedene Sachen
    • gut kombinieren: Früchte. oder: Salat und Gemüse. oder: Gemüse mit wenig guter Stärke. oder: Gemüse mit wenig gutem Protein.

Auf unseren Speiseplan gehören täglich

  • 2-3 Pfund Salate und grüne oder gelbe Gemüse (mindestens 40% unseres Tagesverzehrs)
  • 1-2 Pfund Früchte mit niedrigem glykämischen Index (mindestens 25% des Tagesverzehrs)
  • viele Wurzeln und Knollen mit niedrigem glykämischen Index
  • in Maßen Nüsse
  • wenig oder keine Hülsenfrüchte
  • optional in Maßen Wildtiere

Ich zitiere hier aus dem Buch; für mich ist letzteres absolut keine Option! Bezüglich tierischer Nahrung geht Bond nicht weiter auf die ethische Frage ein; er beschreibt tierische Nahrung heutzutage als optional, aber eben (in der beschriebenen Form!) für einen Teil dessen, was unsere Urahnen gegessen haben. Unter den Primaten gibt es da Unterschiede, Schimpansen scheinen gelegentlich Kleintiere zu jagen und zu essen, während Gorillas komplett vegan leben und höchstens mal Käfer, Würmer etc. zwischen den Blättern mitessen.

Definitiv nicht zu unserer Nahrungspalette gehören, dem Buch zufolge, Getreide, pflanzliche Öle, Milchprodukte, Fleisch von Farmtieren (Kühe, Ziegen, Schweine, Schafe), und Zucker.

Absolut wiederfinden kann ich mich in seiner Aussage, wir seien aufgrund unserer genetischen Programmierung Früchteesser; instinktiv suchen wir immer nach dem süßen Geschmack, der uns ursprünglich gute, bekömmliche, sättigende und nährstoffreiche Nahrung anzeigte. Allerdings sind unsere modernen Früchte auf gesteigerte Süße = mehr Zucker gezüchtet und reichen daher für eine unseren Mineralstoffbedarf deckende Ernährung ohne die oben genannten, großen Mengen an Grün und Gemüse nicht aus.

Die Lebensweise unserer prähistorischen Verwandten gibt übrigens auch Aufschluss über unser natürliches, artgerechtes Bewegungsverhalten: damals waren die Menschen Sammler und gelegentlich vielleicht auch mal Jäger, sie zogen in Gruppen umher und brauchten für Ihre Versorgung ein Gebiet von ca. 200 Quadratmeilen. Frauen und Kinder zogen damals ca. vier bis fünf Stunden pro Tag auf Nahrungssuche umher und legten dabei überwiegend gehend schätzungsweise fünf Meilen, also ca. 7,5km zurück. Männer gingen und liefen noch mehr, nämlich ca. neun bis zwölf Meilen pro Tag. Zum Erhalt deiner Gesundheit, also ohne besonders herausragende Leistungen im Sport anzustreben, solltest du versuchen, das bei deinem Bewegungsprogramm abzubilden. Also mindestens 2-5mal/Woche 20 bis 60 Minuten aerobes Training, bei einer Herzfrequenz von ca. 70/Minute. Du kannst z. B. Gehen, Radfahren, Schwimmen, schnell Tanzen, Golf oder Tennis spielen, Schneeschieben, Laubharken usw.

Nicht anschließen mag ich mich der Ansicht des Autors, Pestizide seien nicht weiter beachtenswert, da die über die pflanzliche Nahrung aufgenommene Menge unkritisch sei und ohnehin die Schädlichkeit von Pestiziden für den menschlichen Körper nicht nachgewiesen sei. Allerdings stimme ich ihm zu, das es besser ist, pestizid-behandeltes Obst und Gemüse zu essen als gar keines bzw. als sich ersatzweise auf künstliche/unnatürliche Nahrung zu beschränken. Auch finde ich seine Empfehlung, Obst und Gemüse wegen potentieller Bakterien darauf gründlich zu waschen; gleichzeitig aber routinemäßig B12 zu supplementieren, weil unser Essen heutzutage ja zu hygienisch sei, etwas widersinnig.

Bestandteil des Buches sind Anhänge mit beispielhaften Essensplänen (nicht ausschließlich Rohkost) für mehrere Tage. Die mir allerdings zeigen, wie sehr die Vorstellungen von „abends wenig oder nichts essen“ auseinander gehen können. In den Plänen sind im Zeitraum von 16 bis 22 Uhr regelmäßig 3 Mahlzeiten enthalten, die zudem noch recht fettlastig sind. Aber nun ja, es ist alles relativ, ne 😉

Insgesamt finde ich das Buch sehr ergiebig und interessant und werde es in meine Bibliothek aufnehmen.




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